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Der nachstehende Artikel aus "SAURIA",
25. Jahrgang • Ausgabe 1 • März 2003, wird hier
mit ausdrücklicher Genehmigung der SAURIA-Redaktion, bzw.
des Autors, veröffentlicht!
Erster Photographischer Nachweis von
ungewöhnlich gefärbten Varanus komodoensis (OUWENS,
1912)
bei Riung, Flores, Indonesien
PAULI HIEN
mit Abb. von F. P. PERC (P) und vom Verfasser
(Red.: Die Online-Veröffentlichung in dieser
Website ist ohne Fotos, die Printversion enspricht dem Original
der SAURIA.-Ausgabe)
Abstract
An as yet unknown colour morph of the Komodo dragon, Varanus komodoensis,
was discovered at two localities near Riung on Flores Island, some
200 km distant from the nearest known populations within the Komodo
National Park. Circumstances leading to the discovery, habitats, and
measures taken to lure specimens into photographic shooting
range are described, and photographic evidence is presented. The new
colour morph appears to be extremely endangered, the reasons for which
are discussed.
Key words:
Reptilia: Squamata: Sauria: Varanidae: Varanus komodoensis OUWENS, 1912:
new colour morph; new locality, range extension; appearance; ecology;
status and endangerment.
Einleitung
Der Komodowaran, V. komodoensis, ist unbestritten die imposanteste unter
den rezenten, landbewohnenden Echsen. Seine Entdeckung durch Leutnant
VAN STEYN VON HENSBROEK im Jahre 1910 weckteverständlicherweise
großes Interesse in der Fachwelt, daer gerüchteweise über
6 bis 7 Meter lange Tiere berichtete.Die Erstbeschreibung der Art durch
OUWENS (1912) basierte dann auf zwei Exemplaren von 2,35 und 2,90
Metern Gesamtlänge, die von einem Fänger nach Java gebracht
worden waren.
Aufgrund seines abgelegenen Verbreitungsgebietes
war V. komodoensis noch lange Zeit Gegenstand von Spekulationen,
sowohl was seine Körpergröße als auch seine Gefährlichkeit
gegenüber dem Menschen betraf. Achtzehn Jahre später
bemerkte MERTENS (1930) bereits: „in der letzten Zeit ist
eine derartig große Literatur über den Komodo-Waran
entstanden, dass es kaum etwas Neues über dieses imposante
Geschöpf zu sagen übrig bleibt“. Gleichzeitig
konnte er aber immerhin mit 3004
mm (bei 1503 mm Kopf-Rumpf und 1501 mm Schwanz-Länge) eine neue
und bis heute gültige (AUFFENBERG 1981) maximale Gesamtlänge
für den Komodowaran
veröffentlichen. AUFFENBERG (l.c.) brachte aufgrund intensiver Forschung
durch seine Monographie über den „Ora“ Klarheit über
dessen Lebensweise und Biologie.
Durch boomenden Tourismus auf der weite rwestlich
gelegenen Ferieninsel Bali wurde der „Tagesausflug zu den
letzten Dinosauriern“ die große Attraktion jeder
Indonesienreise in den neunziger Jahren. Der Komodowaran war
somit recht gründlich erforscht und noch gründlicher
vermarktet. Umso erstaunlicher ist daher die Tatsache, dass über
seine Verbreitung und Erscheinungsform auf der benachbarten Insel
Flores kaum genaues Material existiert. Erstmals wurde das Vorkommen
des Komodowarans auf Flores von DE ROOIJ (1915) erwähnt
und für die Westküste der Insel (Laboean Badjo) begrenzt.
Inzwischen finden sich in der einschlägigen Reiseliteratur
(z.B. MULLER 1997) seit langem beharrlich Angaben zu einem möglichen
Vorkommen der „Drachen“ an der Westküste von
Flores sowie in der Gegend um Riung, im zentralen Norden der
Insel. Bildnachweise oder genauere Fakten über die Populationsdichte,
bzw. das Verbreitungsgebiet an diesen Orten sucht man allerdings
vergebens. Zumeist sind die Darstellungen höchst unglaubwürdig.
BENNETT (l.c.) gibt an, dass V. komodoensis
nur auf den Inseln Komodo, Padar, Rinca, Nusa Kode und Gili Motang,
welche alle zum Komodo Nationalpark (KNP) gehören sowie
an der Westküste von Flores verbreitet ist. Einzig AUFFENBERG
(l.c.) fasste alles, was an Informationen über das Vorkommen
des Komodowarans auf Flores bekannt war in seinem Werk zusammen.
Seinen Angaben zufolge kann man zwei Hauptgebiete unterscheiden:
zum einen die Westküste von Flores, welche dem KNP zugewandt
ist und sich von Labuhanbajo im Norden bis Nangalili an der Südküste
erstreckt, zum anderen die Nordküste von Dampek in östliche
Richtung bis in die Nähe von Riung. Außerhalb dieser
beiden Kerngebiete werden nur „Streuner“ angetroffen,
also ausgewachsene, umherziehende Warane. AUFFENBERG (l.c.) beruft
sich häufig auf die Angaben von Missionaren und der einheimischen
Bevölkerung, seine eigenen Beobachtungen beschränken
sich größtenteils auf denNachweis von Spuren der Echsen.
Eine ungewöhnliche Färbung dieser Nordküstenpopulation
wurde nicht festgestellt, da man lebende Exemplare wohl zu selten
sichtete. Persönliche Anfragen bei den führenden deutschen
Waranspezialisten wie Prof. Dr. W. BÖHME, Prof. H.-G. HORN
und R. WICKERT ergaben, dass seit AUFFENBERG (l.c.) keine neuen
Erkenntnisse über Aussehen und Verbreitung von V. komodoensis
auf Flores, insbesondere um Riung, publiziert wurden (pers. Mittg.).
Dabei können innerhalb des Parks praktisch nur auf den beiden
größeren Inseln Komodo und Rinca überlebensfähige
Populationen existieren. Auf Padar wurden erst kürzlich
wieder Spuren gefunden (pers. Mitt. der Ranger, an den Autor).
Die starken Strömungen, von denen die Inseln umgeben sind,
stellen für die Warane demzufolge kein unüberwindliches
Hindernis dar. Es wäre durchaus vorstellbar, dass gelegentlich
einzelne Exemplare die Westküste von Flores besuchen, da
die ca. 14.000 km² große Insel stellenweise nur wenige
hundert Meter von Rinca entfernt ist. Die Distanz von Rinca zu
Komodo beträgt fast zehnmal soviel, nämlich etwa fünf
Kilometer.
Dies ist jedoch keine Erklärung für
die Gerüchte um ein Vorkommen von ungewöhnlich gefärbten
Exemplaren dieser Art in der Gegend um Riung, da dieses Gebiet
ca. 200 km vom KNP entfernt liegt. Den nachstehend beschriebenen
Beobachtungen des Autors zufolge ist V. komodoensis auch
östlich von Riung angesiedelt. Der Nachweis eines Jungtieres belegt ferner,
dass dieses Gebiet nicht nur zeitweise von ausgewachsenen „Streunern“ besucht
wird, sondern Teil des nördlichen Kerngebiets zu sein scheint.
Beobachtungen
Im August 1993 besuchte der Autor erstmals das
Fischerdorf Riung an der Nordküste von Zentralflores. Der
Ort ist Ausgangspunkt für Exkursionen zu den vorgelagerten
siebzehn Inseln des Pulau Tujuhbelas Marine Reservats, die Hauptattraktion
dieser verhältnismäßig abgelegenen Gegend. Schon
damals hieß es in der einschlägi gen Reiseliteratur,
dass man im Hinterland vereinzelt „Komododrachen“ antreffen
könnte, doch seien diese im Vergleich zum KNP eher selten.
Vielversprechender wäre es, sie mit dem Kadaver eines Haustieres
anzulocken. Diesbezügliche Nachforschungen bei der lokalen
Bevölkerung ergaben, dass dies prinzipiell möglich,
allerdings mit größerem Aufwand verbunden sei, da
zuerst ein Ködertier gekauft und dieses dann in abgelegene
Regionen transportiert werden müsste, da sich die Warane
nicht in die Nähe der Straßen und Dörfer wagten.
Der Autor ließ es deshalb darauf beruhen, da im Verlauf
der weiteren Reise der KNP noch besucht werden sollte und die
Warane dort erheblich bequemer und kostengünstiger zu sehen
sein würden. Außerdem ging er davon aus, dass der
Fachwelt das Verbreitungsgebiet von einer Echse dieser Größe
hinlänglich bekannt sein dürfte. Dies vor Allem, weil
selbst Reiseführer darüber berichteten.
Im Februar 2002 kehrte der Autor mit dem Fotografen
Franz Peter PERC nach Flores zurück, um in der landschaftlich
sehr reizvollen Gegend Aufnahmen für eine Reisedokumentation
zu machen. Auch dieses Mal berichtete der aktuelle Reiseführer
(MULLER 1997) über Komodowarane: angeblich sollten einige
der Warane in einer Höhle bei der Damu-Bucht hausen. Allerdings
sei dies weder vom WWF noch von den indonesischen Behörden
bestätigt (MULLER l.c.). Nichtsdestotrotz könne man
eine dieser geheimnisvollen Echsen im Käfig der Rangerstation
besichtigen und gegen eine geringe Gebühr sogar mit Hühnereiern
füttern (MULLER l.c.). Natürlich sollte dieses Tier
unmittelbar nach unserer Ankunft in Riung besichtigt und, wenn
möglich, auch mit Hühnereiern gefüttert werden.
Doch angeblich war der Waran inzwischen zu groß für
seinen Käfig und wieder freigelassen worden. Lediglich ein
einziges, unscharfes Foto war vorhanden, das tatsächlich
einen V. komodoensis mittlerer Größe zeigte, der interessanterweise
auffallend gelblich gefärbt war. Auch eine Broschüre
vom indonesischen Amt für Tourismus, die in unserer Unterkunft
aushing, enthielt dieses Foto und wies auf die außergewöhnliche
Färbung der „Riung- Warane“ hin. Neugierig geworden,
befragten wir auf unseren zahlreichen Exkursionen in der Gegend
die einheimische Bevölkerung nach Waranen. Dabei wollten
wir explizit wissen, ob es eine oder zwei Arten dieser Echsen
gibt. In den Mangroven rund um den Ort lebt nämlich eine
große Anzahl des Bindenwarans V. salvator. Diese können
ebenfalls kapitale Längen erreichen und innerhalb ihres
riesigen Verbreitungsgebietes in vielen Farbvarianten auftreten.
Durchschnittlich gebildete Indonesier bestechen jedoch nicht
durch eine große herpetologische Artenkenntnis. Somit waren
die Ergebnisse erwartungsgemäß eher widersprüchlich.
Jedoch wurden mehrfach zwei Orte genannt, an denen es eine Waranart
geben solle, die hier „Mbou“ genannt wird und nicht
im Wasser lebt: Mboras und Torong Padang.
Vorgehensweise
Der Ort Mboras liegt 8 km östlich von Riung
an der Straße nach Bajawa, der Regionalhauptstadt, und
ist somit einfach zu erreichen. Er besteht aus einem Dutzend
Häusern, die unmittelbar von kleinen Maisfeldern umgeben
sind. Die Felder sind zum Schutz vor Wildschweinen mit stabilen
Holzzäunen gesichert. Dahinter steigt das Gelände relativ
steil an und ist mit dichtem Gestrüpp bewachsen, aus dem
inselartig schwarze Gesteinsformationen ragen. Auf diesen sollten
angeblich die Warane leben. Ein eher untypischer Lebensraum für
V. komodoensis, wie wir dachten. Zudem war der erste Felsen nicht
viel mehr als 100 Meter von der Dorfgrenze entfernt. Als wir
aber mit dem Besitzer der angrenzenden Felder zu dem Felsen gelangen
wollten, stellte sich heraus, das dies gar nicht so einfach war,
und wir brauchten fast eine Stunde, um uns ei nen Weg durch das
dichte Unterholz zu bahnen. Unser Begleiter versicherte uns glaubhaft,
dass normalerweise nie jemand hier heraufkommen würde, da
die Warane sehr gefürchtet seien. Während wir die zahlreichen
tiefen Felsspalten inspizierten, wurde ein noch kaum verwitterter
Harnsäureklumpen gefunden, ein sicheres Indiz für die
Anwesenheit eines großen Reptils. Unser Begleiter wurde
inzwischen zunehmend nervöser, und es stand ihm tatsächlich
der Angstschweiß auf der Stirn! Ein weiteres sicheres Indiz.
Wir beschlossen daraufhin, es mit einem Köder zu versuchen
und kauften für unser Abendessen eine kleine Ziege. Die
nicht verwertbaren Teile (Haut, Beine, Kopf und Innereien) positionierten
wir am nächsten Tag auf den oben beschriebenen Felsen und
verbargen uns in ca. 7 Metern Entfernung mit den Kameras hinter
einem provisorischen Sichtschutz.
Zu unserem Erstaunen machte sich schon nach
15 Minuten ein Waran über unseren Köder her. Und es
handelte sich dabei tatsächlich um einen Varanus komodoensis
von 1,30 bis 1,50 Metern Gesamtlänge, der auffallend gelb
gefärbt war . Der Autor hatte noch nie zuvor ein derart
kräftig gefärbtes Exemplar gesehen, weder auf Abbildungen,
noch im KNP, wo die Tiere mit ca. 1 Meter Länge ihre Jugendfärbung
verlieren und ein eintöniges Braun annehmen. Das Tier versuchte
möglichst große Stücke von dem Köder abzureißen,
um diese dann zwischen den Felsspalten außerhalb unserer
Sicht zu verzehren. Dies wiederholte sich insgesamt drei Mal,
dann fing es leider an zu regnen, und wir mussten die Aktion
abbrechen, um unsere Kameras ins Trockene zu bringen. Durch den
Erfolg motiviert, beschlossen wir, es auch in Torong Padang mit
einem Ziegenköder zu versuchen. Dieser Ort liegt ca. 10
km westlich von Riung, am äußersten Ende einer tief
eingeschnittenen Bucht. Man kann nur durch einen mehrstündigen
Fußmarsch oder mit dem Boot dorthin gelangen, wobei der
Wellengang eine Landung nur früh am Morgen zuließ.
Dieses Kap ist eine der wohl abgelegensten Gegenden um Riung,
deshalb standen die Chancen, ein größeres Exemplar
anzulocken, hier am besten. Es galt festzustellen, ob die Warane
hier ähnlich groß wurden wie auf Komodo und vor allem,
welche Färbung ausgewachsene Tiere haben. Als Köder
diente dieses Mal eine ganze Ziege, die wir schon am Vortag,
für Warane unerreichbar, an einen Baum gehängt hatten.
Dies erschien uns von Vorteil, da der verströmende
Verwesungsgeruch bereits Tiere anlocken konnte und wir demselben
nicht schon bei der Fahrt dorthin ausgesetzt waren.
Schon bei unserer Ankunft mit dem Boot stießen
wir auf die Fährte eines mittelgroßen Warans, der
anscheinend tags zuvor über den Strand gekrochen war. Nachdem
ein Sichtschutz aufgebaut und der Köder in ca. 4 Metern
Entfernung platziert war, dauerte es allerdings 4 Stunden, bis
sich ein weiterer V. komodoensis davon anlocken ließ. Der
Waran war ca. 2 Meter lang und mit Ausnahme der Beine war sein
gesamter Körper gelb gefärbt. Vor allem Kopf, Kehlregion
und Schwanzende zeigten ein besonders helles Gelb. Er beobachtete
unser Versteck aufmerksam und versuchte sofort, die ganze Beute
in ein nahe liegendes Gebüsch zu ziehen. Deshalb mussten
wir ihm den Köder wieder abjagen und anpflocken, um unser
Motiv in Reichweite der Kameras zu behalten. Der Waran kam nach
dieser Störung bald zurück und fraß den größten
Teil der Ziege.
Zwar war die Farbintensität nicht mehr
ganz so stark wie bei dem kleineren Exemplar, aber im Vergleich
zu den bisher bekannten Tieren immer noch ungewöhnlich.
Am Schwanzrücken hatte das Tier zwei halbrunde Einbuchtungen,
die wie abgeheilte Bisswunden aussahen. Außerdem war auf
seiner rechten Schulter ein auffallend glatter Fleck, der ebenfalls
einer verheilten Wunde glich.
Diskussion
Nach Meinung des Autors kam V. komodoensis einst
in allen geeigneten Gebieten entlang der Küste von Flores
vor. Da das Gelände in Richtung Landesinnere steil ansteigt
(teils bis zu 2400 Meter ü. d. M.), kam nur ein schmaler
Streifen entlang der Küste als Lebensraum in Frage. Genau
dieser Bereich war auch für die Menschen, die mit Booten
von den Nachbarinseln kamen, am einfachsten zu besiedeln. Der
Lebensraum der Echsen wurde dadurch schon vor langer Zeit immer
mehr zerteilt und die inselartigen Restareale wurden immer kleiner
und isolierter. Die Einschätzung des Autors deckt sich hierin
mit den Ausführungen AUFFENBERGs (l.c.), der dies bereits
vor Jahrzehnten erkannte. Bis heute hat sich die Lage jedoch
weiter dramatisch verschlechtert.
Die beträchtliche Entfernung zwischen Riung
und dem KNP sowie die augenscheinlichen Unterschiede in der Färbung
legen den Schluss nahe, dass diese Populationen schon über
einen längeren Zeitraum keinen Kontakt mehr zueinander haben.
Ob und wie weit sich die Tiere genetisch und morphologisch voneinander
unterscheiden, können nur weitere Untersuchungen zeigen.
Fest steht allerdings, dass V. komodoensis zu den gefährdetsten
der rezenten Waranarten zählt. Der eng begrenzte Lebensraum
auf den Hauptinseln Komodo und Rinca beherbergt insgesamt weniger
als 3000 Exemplare. Zwar erweist sich das Parkmanagement als
das bestmotivierteste und effektivste des ganzen Archipels, doch
kann sich dies in einem politisch so instabilen Land wie Indonesien
sehr schnell ändern. Solange an die 30.000 Touristen jährlich
Devisen in diese ansonsten relativ arme Region brachten, waren
ausreichend Mittel für den Schutz des Nationalparks gewährleistet.
Das Terrain wird hauptsächlich von savannenartiger Vegetation
bestimmt und ist damit sehr übersichtlich und einfach zu
kontrollieren. Schnelle Boote der PHPA (Perlindungan Hutan dan
Pelestarian), der Behörde für Forst und Naturschutz,
patrouillieren in den umliegenden Gewässern und überwachen
die Küsten der spärlich besiedelten Inseln des Parks.
Die jüngsten Ereignisse auf Bali zeigen allerdings, wie
schnell der Touristenstrom abreißen und den Park in eine
Krise stürzen kann.
Varanus komodoenis wird zwar nicht unmittelbar
von den Einheimischen bejagt, da seine Schuppen teilweise stark
gekielt sind und sich die Haut deshalb schlecht zu Leder verarbeiten
lässt. Auch ist ein niederschlagsarmer Lebensraum nur wenig
für landwirtschaftliche Zwecke geeignet. Doch ist seine
Hauptnahrung, der Sundahirsch (Cervus timorensis), eine begehrte
Jagdbeute der stetig wachsenden Bevölkerung. Andere wichtige
Beutetierarten wie Wildschweine (Sus scrofa) und Langschwanz-
Makaken (Macaca fascicularis) werden als Kulturschädlinge
in der Landwirtschaft stark verfolgt und dezimiert. Reißt
eine der großen Echsen aufgrund dieser Lage ein Haustier,
so ist es durchaus vorstellbar, dass sie getötet wird, ohne
das es bekannt wird. Der Schutz des Komodowarans bedeutet daher
in erster Linie den Schutz seiner Nahrungsgrundlagen.
Wie viele Individuen im Raum Riung noch leben,
lässt sich gegenwärtig unmöglich schätzen.
Unser Bootsführer aus dem Dorf Damu schien einigermaßen über
diese Tiere Bescheid zu wissen. So berichtete er, einmal sieben
große Exemplare am Kadaver eines gestrandeten Wales gesehen
zu haben. Außerdem will er angeblich 50 lebende Tiere für
einen Amerikaner gefangen haben. Auch dem Autor bot er, für
umgerechnet 500,- € an, ein lebendes Tier zu fangen. Dieses
Angebot wurde aber abgelehnt, da es zweifelsohne großen Ärger
mit den Rangern zur Folge gehabt hätte.
Fazit
Aufgrund des Geschlechterverhältnisses
des Komodowarans im KNP von drei Männchen zu einem Weibchen
stellt jede Population außerhalb des Parks eine wichtige
genetische Reserve für den Fortbestand der Art dar – eine
genetische Homogenität vorausgesetzt. Leider sieht Bei Interesse
an Videomaterial der beschriebenen Warane kann der Autor via
E-Mail kontaktiert werden. If you are interested in videographic
material of the described montors, please contact the author
via E-mail. die Zukunft der „Riungwarane“ nicht sehr
erfreulich aus. Wie überall drängt die ungehemmte Ausbreitung
der Spezies Mensch auch diese Tierart an den Rand ihrer Existenz.
Immer mehr Straßen durchschneiden nun die bislang nur mit
Pferden erreichbaren Gebiete zwischen Riung und der Ortschaft
Reo im Westen von Flores. Zwar sind die vorgelagerten Inseln
offiziell als Schutzgebiete ausgewiesen, doch war die Zahl der
Touristen hier noch nie hoch genug, um der Bevölkerung ein
Einkommen zu sichern und sie damit zum Naturschutz zu motivieren.
Dabei spielen die kleinen Inseln an sich nicht
einmal eine Rolle für den Erhalt der Warane. Jagdverbote
auch auf angrenzende Gebiete auszuweiten, ist in absehbarer Zeit
wohl kaum denkbar. Des weiteren findet anscheinend eine Art Ausverkauf
der gelben Komodowarane statt. Neben den oben erwähnten
50 Stück käme noch das Exemplar hinzu, welches angeblich
zu groß für den Käfig der Rangerstation geworden
war, denn die meisten befragten Einheimischen gaben an, es sei
nicht freigelassen, sondern verkauft worden. Die Erfahrungen
des Autors mit den zuständigen Behörden vor Ort, lassen
nur wenig Zweifel am Wahrheitsgehalt der Aussagen der Einwohner
zu. Wohin diese Tiere angesichts der heutigen Artenschutzbestimmungen
gelangen, ist ein Rätsel. Ein Komodowaran lässt sich
nun mal nicht so einfach außer Landes schmuggeln.
Und weshalb war der Fachwelt trotzdem bisher
nichts über diese Gelblinge bekannt?
Danksagung
Ich bedanke mich bei Franzl PERC (Wien), der
alle Bilder der Gelblinge schoss, während ich mit der Videokamera
beschäftigt war und dabei stundenlang den bestialischen
Duft des Köders ertrug. Für die grammatikalische Hilfe
bei der Durchsicht des Manuskripts danke ich Frau Alexandra BÜRGER
(Sünching). Weiterhin möchte ich mich bei Wolfgang
GROSSMANN (Berlin) bedanken, ohne dessen fortwährender Motivation
dieser Artikel wohl nie zustande gekommen wäre. Für
die telefonischen Diskussionen und wertvollen Hinweise sei Herrn
Prof. Dr. W. BÖHME (Bonn), Prof. Dr. H.-G. HORN (Sprockhövel)
und R. WICKER (Frankfurt am Main) gedankt.
Summary
First Photographic Record of unusually
coloured Varanus komodoensis OUWENS, 1912 at Riung, Flores,
Indonesia
Localities: at Riung, central
north coast of Flores Island, Indonesia. 1.): at Mboras, 8 km
E of Riung on road to Bajawa; steep slopes about 100 m beyond
border fences of village; dense scrub, insular outcrops of black
rock; area strictly avoided by locals out of fear of dragons;
2.): Torong Padang, ca. 10 km W of Riung, at the extreme end
of a deep bay; accessible only by foot (several hours walk) or
boat, tide permitting. Baiting: with skin, legs,
head and innards of a goat placed on rock; hiding about 7 m distant
behind provisional cover.
Specimen 1: appeared after
only 15 min.; 130-150 cm tL; conspicuously yellow coloured (Figs.
8); tried to tear off large pieces for swallowing out of sight,
then returned for more.
Specimen 2: appeared at bait
after 4 hours; about 200 cm tL; yellow except for legs (Figs.
1, 9 & 10), older and not quite as intensely coloured as
spec. 1. Discussion: V. komodoensis was probably
present all along the flats of the north coast of Flores originally;
steep rises prevented expansion farther inland; same area was
occupied by early settlers arriving from neighbouring islands,
resulting in fragmentation of habitats; only small pockets of
suitable habitats left today; distance to nearest populations
within Komodo National Park suggests isolation for an extended
period of time; Riung populations are not particularly protected
or monitored; population size unknown, but presumably extremely
small; not persecuted for leather, but endangered by removal
of suitable prey (Cervus timorensis, Sus scrofa, Macaca fascicularis);
local reported having once seen 7 specs. feeding at carcass of
beached whale; also claimed to have once caught 50 live specs. „for
an American“; also under severe pressure from improving
accessibility (roads) and expansion of agriculture; extent of
tourism insufficient to sustain community-based nature conservation.
Literatur
AUFFENBERG, W. (1981): The Behavioral Ecology
of the Komodo Monitor – Gainsville, Florida (Univ. Presses
of Florida), 406 S.
BENNET, D. (1996): Warane der Welt – Welt
der Warane, 1. Auflage – Frankfurt/M. (Edition Chimaira),
210 S.
DE ROOIJ, N. (1915): The Reptiles of the Indo-Australian
Archipelago. I. Lacertilia, Chelonia, Emydosauria – Leiden,
E.J. Brill Ltd., 384 S.
MULLER, K. (1997): East of Bali - From Lombok
to Timor – Hong Kong (Periplus Editions), 1320 S.
MERTENS, R. (1930): Die Amphibien und Reptilien
der Inseln Bali, Lombok, Sumbawa und Flores – Abh. Senck.
Naturf. Ges., Frankfurt, 42 (3): 115-344
OUWENS, P. A. (1912): On a large Varanus species
from the island of Komodo – Bull. Jardin Botan. Buitenzorg
6 (2): 1-3
Autor
Pauli HIEN
Straubinger Str. 3
D – 94368 Pilling
kaltblut-video@web.de
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pd





















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