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"SAURIA", 25. Jahrgang • Ausgabe 1 • März 2003

 
 

Der nachstehende Artikel aus "SAURIA", 25. Jahrgang • Ausgabe 1 • März 2003, wird hier mit ausdrücklicher Genehmigung der SAURIA-Redaktion, bzw. des Autors, veröffentlicht!

 

Erster Photographischer Nachweis von ungewöhnlich gefärbten Varanus komodoensis (OUWENS, 1912)
bei Riung, Flores, Indonesien
PAULI HIEN

mit Abb. von F. P. PERC (P) und vom Verfasser

 

(Red.: Die Online-Veröffentlichung in dieser Website ist ohne Fotos, die Printversion enspricht dem Original der SAURIA.-Ausgabe)

 

Abstract


An as yet unknown colour morph of the Komodo dragon, Varanus komodoensis, was discovered at two localities near Riung on Flores Island, some 200 km distant from the nearest known populations within the Komodo National Park. Circumstances leading to the discovery, habitats, and measures taken to lure specimens into photographic shooting
range are described, and photographic evidence is presented. The new colour morph appears to be extremely endangered, the reasons for which are discussed.

 

Key words:
Reptilia: Squamata: Sauria: Varanidae: Varanus komodoensis OUWENS, 1912: new colour morph; new locality, range extension; appearance; ecology; status and endangerment.

Einleitung


Der Komodowaran, V. komodoensis, ist unbestritten die imposanteste unter den rezenten, landbewohnenden Echsen. Seine Entdeckung durch Leutnant VAN STEYN VON HENSBROEK im Jahre 1910 weckteverständlicherweise großes Interesse in der Fachwelt, daer gerüchteweise über 6 bis 7 Meter lange Tiere berichtete.Die Erstbeschreibung der Art durch OUWENS (1912) basierte dann auf zwei Exemplaren von 2,35 und 2,90
Metern Gesamtlänge, die von einem Fänger nach Java gebracht worden waren.

Aufgrund seines abgelegenen Verbreitungsgebietes war V. komodoensis noch lange Zeit Gegenstand von Spekulationen, sowohl was seine Körpergröße als auch seine Gefährlichkeit gegenüber dem Menschen betraf. Achtzehn Jahre später bemerkte MERTENS (1930) bereits: „in der letzten Zeit ist eine derartig große Literatur über den Komodo-Waran entstanden, dass es kaum etwas Neues über dieses imposante Geschöpf zu sagen übrig bleibt“. Gleichzeitig konnte er aber immerhin mit 3004
mm (bei 1503 mm Kopf-Rumpf und 1501 mm Schwanz-Länge) eine neue und bis heute gültige (AUFFENBERG 1981) maximale Gesamtlänge für den Komodowaran
veröffentlichen. AUFFENBERG (l.c.) brachte aufgrund intensiver Forschung durch seine Monographie über den „Ora“ Klarheit über dessen Lebensweise und Biologie.

Durch boomenden Tourismus auf der weite rwestlich gelegenen Ferieninsel Bali wurde der „Tagesausflug zu den letzten Dinosauriern“ die große Attraktion jeder Indonesienreise in den neunziger Jahren. Der Komodowaran war somit recht gründlich erforscht und noch gründlicher vermarktet. Umso erstaunlicher ist daher die Tatsache, dass über seine Verbreitung und Erscheinungsform auf der benachbarten Insel Flores kaum genaues Material existiert. Erstmals wurde das Vorkommen des Komodowarans auf Flores von DE ROOIJ (1915) erwähnt und für die Westküste der Insel (Laboean Badjo) begrenzt. Inzwischen finden sich in der einschlägigen Reiseliteratur (z.B. MULLER 1997) seit langem beharrlich Angaben zu einem möglichen Vorkommen der „Drachen“ an der Westküste von Flores sowie in der Gegend um Riung, im zentralen Norden der Insel. Bildnachweise oder genauere Fakten über die Populationsdichte, bzw. das Verbreitungsgebiet an diesen Orten sucht man allerdings vergebens. Zumeist sind die Darstellungen höchst unglaubwürdig.

BENNETT (l.c.) gibt an, dass V. komodoensis nur auf den Inseln Komodo, Padar, Rinca, Nusa Kode und Gili Motang, welche alle zum Komodo Nationalpark (KNP) gehören sowie an der Westküste von Flores verbreitet ist. Einzig AUFFENBERG (l.c.) fasste alles, was an Informationen über das Vorkommen des Komodowarans auf Flores bekannt war in seinem Werk zusammen. Seinen Angaben zufolge kann man zwei Hauptgebiete unterscheiden: zum einen die Westküste von Flores, welche dem KNP zugewandt ist und sich von Labuhanbajo im Norden bis Nangalili an der Südküste erstreckt, zum anderen die Nordküste von Dampek in östliche Richtung bis in die Nähe von Riung. Außerhalb dieser beiden Kerngebiete werden nur „Streuner“ angetroffen, also ausgewachsene, umherziehende Warane. AUFFENBERG (l.c.) beruft sich häufig auf die Angaben von Missionaren und der einheimischen Bevölkerung, seine eigenen Beobachtungen beschränken sich größtenteils auf denNachweis von Spuren der Echsen. Eine ungewöhnliche Färbung dieser Nordküstenpopulation wurde nicht festgestellt, da man lebende Exemplare wohl zu selten sichtete. Persönliche Anfragen bei den führenden deutschen Waranspezialisten wie Prof. Dr. W. BÖHME, Prof. H.-G. HORN und R. WICKERT ergaben, dass seit AUFFENBERG (l.c.) keine neuen Erkenntnisse über Aussehen und Verbreitung von V. komodoensis auf Flores, insbesondere um Riung, publiziert wurden (pers. Mittg.). Dabei können innerhalb des Parks praktisch nur auf den beiden größeren Inseln Komodo und Rinca überlebensfähige Populationen existieren. Auf Padar wurden erst kürzlich wieder Spuren gefunden (pers. Mitt. der Ranger, an den Autor). Die starken Strömungen, von denen die Inseln umgeben sind, stellen für die Warane demzufolge kein unüberwindliches Hindernis dar. Es wäre durchaus vorstellbar, dass gelegentlich einzelne Exemplare die Westküste von Flores besuchen, da die ca. 14.000 km² große Insel stellenweise nur wenige hundert Meter von Rinca entfernt ist. Die Distanz von Rinca zu Komodo beträgt fast zehnmal soviel, nämlich etwa fünf Kilometer.

Dies ist jedoch keine Erklärung für die Gerüchte um ein Vorkommen von ungewöhnlich gefärbten Exemplaren dieser Art in der Gegend um Riung, da dieses Gebiet ca. 200 km vom KNP entfernt liegt. Den nachstehend beschriebenen Beobachtungen des Autors zufolge ist V. komodoensis auch
östlich von Riung angesiedelt. Der Nachweis eines Jungtieres belegt ferner, dass dieses Gebiet nicht nur zeitweise von ausgewachsenen „Streunern“ besucht wird, sondern Teil des nördlichen Kerngebiets zu sein scheint.

 

Beobachtungen

 

Im August 1993 besuchte der Autor erstmals das Fischerdorf Riung an der Nordküste von Zentralflores. Der Ort ist Ausgangspunkt für Exkursionen zu den vorgelagerten siebzehn Inseln des Pulau Tujuhbelas Marine Reservats, die Hauptattraktion dieser verhältnismäßig abgelegenen Gegend. Schon damals hieß es in der einschlägi gen Reiseliteratur, dass man im Hinterland vereinzelt „Komododrachen“ antreffen könnte, doch seien diese im Vergleich zum KNP eher selten. Vielversprechender wäre es, sie mit dem Kadaver eines Haustieres anzulocken. Diesbezügliche Nachforschungen bei der lokalen Bevölkerung ergaben, dass dies prinzipiell möglich, allerdings mit größerem Aufwand verbunden sei, da zuerst ein Ködertier gekauft und dieses dann in abgelegene Regionen transportiert werden müsste, da sich die Warane nicht in die Nähe der Straßen und Dörfer wagten. Der Autor ließ es deshalb darauf beruhen, da im Verlauf der weiteren Reise der KNP noch besucht werden sollte und die Warane dort erheblich bequemer und kostengünstiger zu sehen sein würden. Außerdem ging er davon aus, dass der Fachwelt das Verbreitungsgebiet von einer Echse dieser Größe hinlänglich bekannt sein dürfte. Dies vor Allem, weil selbst Reiseführer darüber berichteten.

Im Februar 2002 kehrte der Autor mit dem Fotografen Franz Peter PERC nach Flores zurück, um in der landschaftlich sehr reizvollen Gegend Aufnahmen für eine Reisedokumentation zu machen. Auch dieses Mal berichtete der aktuelle Reiseführer (MULLER 1997) über Komodowarane: angeblich sollten einige der Warane in einer Höhle bei der Damu-Bucht hausen. Allerdings sei dies weder vom WWF noch von den indonesischen Behörden bestätigt (MULLER l.c.). Nichtsdestotrotz könne man eine dieser geheimnisvollen Echsen im Käfig der Rangerstation besichtigen und gegen eine geringe Gebühr sogar mit Hühnereiern füttern (MULLER l.c.). Natürlich sollte dieses Tier unmittelbar nach unserer Ankunft in Riung besichtigt und, wenn möglich, auch mit Hühnereiern gefüttert werden. Doch angeblich war der Waran inzwischen zu groß für seinen Käfig und wieder freigelassen worden. Lediglich ein einziges, unscharfes Foto war vorhanden, das tatsächlich einen V. komodoensis mittlerer Größe zeigte, der interessanterweise auffallend gelblich gefärbt war. Auch eine Broschüre vom indonesischen Amt für Tourismus, die in unserer Unterkunft aushing, enthielt dieses Foto und wies auf die außergewöhnliche Färbung der „Riung- Warane“ hin. Neugierig geworden, befragten wir auf unseren zahlreichen Exkursionen in der Gegend die einheimische Bevölkerung nach Waranen. Dabei wollten wir explizit wissen, ob es eine oder zwei Arten dieser Echsen gibt. In den Mangroven rund um den Ort lebt nämlich eine große Anzahl des Bindenwarans V. salvator. Diese können ebenfalls kapitale Längen erreichen und innerhalb ihres riesigen Verbreitungsgebietes in vielen Farbvarianten auftreten. Durchschnittlich gebildete Indonesier bestechen jedoch nicht durch eine große herpetologische Artenkenntnis. Somit waren die Ergebnisse erwartungsgemäß eher widersprüchlich. Jedoch wurden mehrfach zwei Orte genannt, an denen es eine Waranart geben solle, die hier „Mbou“ genannt wird und nicht im Wasser lebt: Mboras und Torong Padang.

 

Vorgehensweise

 

Der Ort Mboras liegt 8 km östlich von Riung an der Straße nach Bajawa, der Regionalhauptstadt, und ist somit einfach zu erreichen. Er besteht aus einem Dutzend Häusern, die unmittelbar von kleinen Maisfeldern umgeben sind. Die Felder sind zum Schutz vor Wildschweinen mit stabilen Holzzäunen gesichert. Dahinter steigt das Gelände relativ steil an und ist mit dichtem Gestrüpp bewachsen, aus dem inselartig schwarze Gesteinsformationen ragen. Auf diesen sollten angeblich die Warane leben. Ein eher untypischer Lebensraum für V. komodoensis, wie wir dachten. Zudem war der erste Felsen nicht viel mehr als 100 Meter von der Dorfgrenze entfernt. Als wir aber mit dem Besitzer der angrenzenden Felder zu dem Felsen gelangen wollten, stellte sich heraus, das dies gar nicht so einfach war, und wir brauchten fast eine Stunde, um uns ei nen Weg durch das dichte Unterholz zu bahnen. Unser Begleiter versicherte uns glaubhaft, dass normalerweise nie jemand hier heraufkommen würde, da die Warane sehr gefürchtet seien. Während wir die zahlreichen tiefen Felsspalten inspizierten, wurde ein noch kaum verwitterter Harnsäureklumpen gefunden, ein sicheres Indiz für die Anwesenheit eines großen Reptils. Unser Begleiter wurde inzwischen zunehmend nervöser, und es stand ihm tatsächlich der Angstschweiß auf der Stirn! Ein weiteres sicheres Indiz. Wir beschlossen daraufhin, es mit einem Köder zu versuchen und kauften für unser Abendessen eine kleine Ziege. Die nicht verwertbaren Teile (Haut, Beine, Kopf und Innereien) positionierten wir am nächsten Tag auf den oben beschriebenen Felsen und verbargen uns in ca. 7 Metern Entfernung mit den Kameras hinter einem provisorischen Sichtschutz.

Zu unserem Erstaunen machte sich schon nach 15 Minuten ein Waran über unseren Köder her. Und es handelte sich dabei tatsächlich um einen Varanus komodoensis von 1,30 bis 1,50 Metern Gesamtlänge, der auffallend gelb gefärbt war . Der Autor hatte noch nie zuvor ein derart kräftig gefärbtes Exemplar gesehen, weder auf Abbildungen, noch im KNP, wo die Tiere mit ca. 1 Meter Länge ihre Jugendfärbung verlieren und ein eintöniges Braun annehmen. Das Tier versuchte möglichst große Stücke von dem Köder abzureißen, um diese dann zwischen den Felsspalten außerhalb unserer Sicht zu verzehren. Dies wiederholte sich insgesamt drei Mal, dann fing es leider an zu regnen, und wir mussten die Aktion abbrechen, um unsere Kameras ins Trockene zu bringen. Durch den Erfolg motiviert, beschlossen wir, es auch in Torong Padang mit einem Ziegenköder zu versuchen. Dieser Ort liegt ca. 10 km westlich von Riung, am äußersten Ende einer tief eingeschnittenen Bucht. Man kann nur durch einen mehrstündigen Fußmarsch oder mit dem Boot dorthin gelangen, wobei der Wellengang eine Landung nur früh am Morgen zuließ. Dieses Kap ist eine der wohl abgelegensten Gegenden um Riung, deshalb standen die Chancen, ein größeres Exemplar anzulocken, hier am besten. Es galt festzustellen, ob die Warane hier ähnlich groß wurden wie auf Komodo und vor allem, welche Färbung ausgewachsene Tiere haben. Als Köder diente dieses Mal eine ganze Ziege, die wir schon am Vortag, für Warane unerreichbar, an einen Baum gehängt hatten.

Dies erschien uns von Vorteil, da der verströmende Verwesungsgeruch bereits Tiere anlocken konnte und wir demselben nicht schon bei der Fahrt dorthin ausgesetzt waren.

Schon bei unserer Ankunft mit dem Boot stießen wir auf die Fährte eines mittelgroßen Warans, der anscheinend tags zuvor über den Strand gekrochen war. Nachdem ein Sichtschutz aufgebaut und der Köder in ca. 4 Metern Entfernung platziert war, dauerte es allerdings 4 Stunden, bis sich ein weiterer V. komodoensis davon anlocken ließ. Der Waran war ca. 2 Meter lang und mit Ausnahme der Beine war sein gesamter Körper gelb gefärbt. Vor allem Kopf, Kehlregion und Schwanzende zeigten ein besonders helles Gelb. Er beobachtete unser Versteck aufmerksam und versuchte sofort, die ganze Beute in ein nahe liegendes Gebüsch zu ziehen. Deshalb mussten wir ihm den Köder wieder abjagen und anpflocken, um unser Motiv in Reichweite der Kameras zu behalten. Der Waran kam nach dieser Störung bald zurück und fraß den größten Teil der Ziege.

Zwar war die Farbintensität nicht mehr ganz so stark wie bei dem kleineren Exemplar, aber im Vergleich zu den bisher bekannten Tieren immer noch ungewöhnlich. Am Schwanzrücken hatte das Tier zwei halbrunde Einbuchtungen, die wie abgeheilte Bisswunden aussahen. Außerdem war auf seiner rechten Schulter ein auffallend glatter Fleck, der ebenfalls einer verheilten Wunde glich.

 

Diskussion

 

Nach Meinung des Autors kam V. komodoensis einst in allen geeigneten Gebieten entlang der Küste von Flores vor. Da das Gelände in Richtung Landesinnere steil ansteigt (teils bis zu 2400 Meter ü. d. M.), kam nur ein schmaler Streifen entlang der Küste als Lebensraum in Frage. Genau dieser Bereich war auch für die Menschen, die mit Booten von den Nachbarinseln kamen, am einfachsten zu besiedeln. Der Lebensraum der Echsen wurde dadurch schon vor langer Zeit immer mehr zerteilt und die inselartigen Restareale wurden immer kleiner und isolierter. Die Einschätzung des Autors deckt sich hierin mit den Ausführungen AUFFENBERGs (l.c.), der dies bereits vor Jahrzehnten erkannte. Bis heute hat sich die Lage jedoch weiter dramatisch verschlechtert.

Die beträchtliche Entfernung zwischen Riung und dem KNP sowie die augenscheinlichen Unterschiede in der Färbung legen den Schluss nahe, dass diese Populationen schon über einen längeren Zeitraum keinen Kontakt mehr zueinander haben. Ob und wie weit sich die Tiere genetisch und morphologisch voneinander unterscheiden, können nur weitere Untersuchungen zeigen. Fest steht allerdings, dass V. komodoensis zu den gefährdetsten der rezenten Waranarten zählt. Der eng begrenzte Lebensraum auf den Hauptinseln Komodo und Rinca beherbergt insgesamt weniger als 3000 Exemplare. Zwar erweist sich das Parkmanagement als das bestmotivierteste und effektivste des ganzen Archipels, doch kann sich dies in einem politisch so instabilen Land wie Indonesien sehr schnell ändern. Solange an die 30.000 Touristen jährlich Devisen in diese ansonsten relativ arme Region brachten, waren ausreichend Mittel für den Schutz des Nationalparks gewährleistet. Das Terrain wird hauptsächlich von savannenartiger Vegetation bestimmt und ist damit sehr übersichtlich und einfach zu kontrollieren. Schnelle Boote der PHPA (Perlindungan Hutan dan Pelestarian), der Behörde für Forst und Naturschutz, patrouillieren in den umliegenden Gewässern und überwachen die Küsten der spärlich besiedelten Inseln des Parks. Die jüngsten Ereignisse auf Bali zeigen allerdings, wie schnell der Touristenstrom abreißen und den Park in eine Krise stürzen kann.

Varanus komodoenis wird zwar nicht unmittelbar von den Einheimischen bejagt, da seine Schuppen teilweise stark gekielt sind und sich die Haut deshalb schlecht zu Leder verarbeiten lässt. Auch ist ein niederschlagsarmer Lebensraum nur wenig für landwirtschaftliche Zwecke geeignet. Doch ist seine Hauptnahrung, der Sundahirsch (Cervus timorensis), eine begehrte Jagdbeute der stetig wachsenden Bevölkerung. Andere wichtige Beutetierarten wie Wildschweine (Sus scrofa) und Langschwanz- Makaken (Macaca fascicularis) werden als Kulturschädlinge in der Landwirtschaft stark verfolgt und dezimiert. Reißt eine der großen Echsen aufgrund dieser Lage ein Haustier, so ist es durchaus vorstellbar, dass sie getötet wird, ohne das es bekannt wird. Der Schutz des Komodowarans bedeutet daher in erster Linie den Schutz seiner Nahrungsgrundlagen.

Wie viele Individuen im Raum Riung noch leben, lässt sich gegenwärtig unmöglich schätzen. Unser Bootsführer aus dem Dorf Damu schien einigermaßen über diese Tiere Bescheid zu wissen. So berichtete er, einmal sieben große Exemplare am Kadaver eines gestrandeten Wales gesehen zu haben. Außerdem will er angeblich 50 lebende Tiere für einen Amerikaner gefangen haben. Auch dem Autor bot er, für umgerechnet 500,- € an, ein lebendes Tier zu fangen. Dieses Angebot wurde aber abgelehnt, da es zweifelsohne großen Ärger mit den Rangern zur Folge gehabt hätte.

 

Fazit

 

Aufgrund des Geschlechterverhältnisses des Komodowarans im KNP von drei Männchen zu einem Weibchen stellt jede Population außerhalb des Parks eine wichtige genetische Reserve für den Fortbestand der Art dar – eine genetische Homogenität vorausgesetzt. Leider sieht Bei Interesse an Videomaterial der beschriebenen Warane kann der Autor via E-Mail kontaktiert werden. If you are interested in videographic material of the described montors, please contact the author via E-mail. die Zukunft der „Riungwarane“ nicht sehr erfreulich aus. Wie überall drängt die ungehemmte Ausbreitung der Spezies Mensch auch diese Tierart an den Rand ihrer Existenz. Immer mehr Straßen durchschneiden nun die bislang nur mit Pferden erreichbaren Gebiete zwischen Riung und der Ortschaft Reo im Westen von Flores. Zwar sind die vorgelagerten Inseln offiziell als Schutzgebiete ausgewiesen, doch war die Zahl der Touristen hier noch nie hoch genug, um der Bevölkerung ein Einkommen zu sichern und sie damit zum Naturschutz zu motivieren.

Dabei spielen die kleinen Inseln an sich nicht einmal eine Rolle für den Erhalt der Warane. Jagdverbote auch auf angrenzende Gebiete auszuweiten, ist in absehbarer Zeit wohl kaum denkbar. Des weiteren findet anscheinend eine Art Ausverkauf der gelben Komodowarane statt. Neben den oben erwähnten 50 Stück käme noch das Exemplar hinzu, welches angeblich zu groß für den Käfig der Rangerstation geworden war, denn die meisten befragten Einheimischen gaben an, es sei nicht freigelassen, sondern verkauft worden. Die Erfahrungen des Autors mit den zuständigen Behörden vor Ort, lassen nur wenig Zweifel am Wahrheitsgehalt der Aussagen der Einwohner zu. Wohin diese Tiere angesichts der heutigen Artenschutzbestimmungen gelangen, ist ein Rätsel. Ein Komodowaran lässt sich nun mal nicht so einfach außer Landes schmuggeln.

Und weshalb war der Fachwelt trotzdem bisher nichts über diese Gelblinge bekannt?

 

Danksagung

 

Ich bedanke mich bei Franzl PERC (Wien), der alle Bilder der Gelblinge schoss, während ich mit der Videokamera beschäftigt war und dabei stundenlang den bestialischen Duft des Köders ertrug. Für die grammatikalische Hilfe bei der Durchsicht des Manuskripts danke ich Frau Alexandra BÜRGER (Sünching). Weiterhin möchte ich mich bei Wolfgang GROSSMANN (Berlin) bedanken, ohne dessen fortwährender Motivation dieser Artikel wohl nie zustande gekommen wäre. Für die telefonischen Diskussionen und wertvollen Hinweise sei Herrn Prof. Dr. W. BÖHME (Bonn), Prof. Dr. H.-G. HORN (Sprockhövel) und R. WICKER (Frankfurt am Main) gedankt.

 

Summary

 

First Photographic Record of unusually coloured Varanus komodoensis OUWENS, 1912 at Riung, Flores, Indonesia

Localities: at Riung, central north coast of Flores Island, Indonesia. 1.): at Mboras, 8 km E of Riung on road to Bajawa; steep slopes about 100 m beyond border fences of village; dense scrub, insular outcrops of black rock; area strictly avoided by locals out of fear of dragons; 2.): Torong Padang, ca. 10 km W of Riung, at the extreme end of a deep bay; accessible only by foot (several hours walk) or boat, tide permitting. Baiting: with skin, legs, head and innards of a goat placed on rock; hiding about 7 m distant behind provisional cover.

Specimen 1: appeared after only 15 min.; 130-150 cm tL; conspicuously yellow coloured (Figs. 8); tried to tear off large pieces for swallowing out of sight, then returned for more.

Specimen 2: appeared at bait after 4 hours; about 200 cm tL; yellow except for legs (Figs. 1, 9 & 10), older and not quite as intensely coloured as spec. 1. Discussion: V. komodoensis was probably present all along the flats of the north coast of Flores originally; steep rises prevented expansion farther inland; same area was occupied by early settlers arriving from neighbouring islands, resulting in fragmentation of habitats; only small pockets of suitable habitats left today; distance to nearest populations within Komodo National Park suggests isolation for an extended period of time; Riung populations are not particularly protected or monitored; population size unknown, but presumably extremely small; not persecuted for leather, but endangered by removal of suitable prey (Cervus timorensis, Sus scrofa, Macaca fascicularis); local reported having once seen 7 specs. feeding at carcass of beached whale; also claimed to have once caught 50 live specs. „for an American“; also under severe pressure from improving accessibility (roads) and expansion of agriculture; extent of tourism insufficient to sustain community-based nature conservation.

 

Literatur

 

AUFFENBERG, W. (1981): The Behavioral Ecology of the Komodo Monitor – Gainsville, Florida (Univ. Presses of Florida), 406 S.

BENNET, D. (1996): Warane der Welt – Welt der Warane, 1. Auflage – Frankfurt/M. (Edition Chimaira), 210 S.

DE ROOIJ, N. (1915): The Reptiles of the Indo-Australian Archipelago. I. Lacertilia, Chelonia, Emydosauria – Leiden, E.J. Brill Ltd., 384 S.

MULLER, K. (1997): East of Bali - From Lombok to Timor – Hong Kong (Periplus Editions), 1320 S.

MERTENS, R. (1930): Die Amphibien und Reptilien der Inseln Bali, Lombok, Sumbawa und Flores – Abh. Senck. Naturf. Ges., Frankfurt, 42 (3): 115-344

OUWENS, P. A. (1912): On a large Varanus species from the island of Komodo – Bull. Jardin Botan. Buitenzorg 6 (2): 1-3

 

Autor

 

Pauli HIEN

Straubinger Str. 3

D – 94368 Pilling

kaltblut-video@web.de

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Abb.: SAURIA-Magazin, 25.Jhrg., Ausgabe. 0303

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