Seit jeher übt der Saurier eine Faszination
auf uns Menschen aus. Viele Geschichten und Legenden beschreiben
ihn als riesiges, blutrünstiges, prähistorisches Ungeheuer.
Für den Forschergeist war somit der Anlass gegeben
diesem Mythos auf die Spur zu kommen.
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abb.1
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Umso erstaunter war die Fachwelt, als erste
Berichte zu Beginn des 20. Jahrhunderts erschienen, welche über
eine 3 Meter lange Riesenechse auf dem Inselgebiet westlich von
Flores berichteten. Tatsächlich scheint das letzte Refugium
des Varanus komodoensis (abb.1)der vier Insel umfassende
Komodo Nationalpark (abb.2) zu sein.
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abb.2
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Berichte über etwaige Vorkommen des Komodowarans
im Westen von Flores sind Spekulationen, da es definitiv
keine gesicherten Beweise dafür gibt.
Sehrwohl allerdings könnten die Riesenechsen
an der engsten Stelle zwischen der Insel Rinca (abb.4) und
der Westküste von Flores, welche nur knapp 100 Meter beträgt,
ohne weiteres das andere Ufer erreichen, da sie sich durch exzellente
Schwimmkünste auszeichnen.
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abb.3
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Als gesichert gilt eine Population des Varanus
Komodoensis (abb.3) im Norden von Flores, die der Autor
in Zusammenarbeit mit dem Dokumentarfilmer Pauli Hien festhalten
konnte*.
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abb.4
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Das erste mal besuchte ich 1992 den Komodo Nationalpark
auf der Rückreise von der Insel Sumba nach Singapur. Eine
Woche verbrachte ich ausschließlich auf der Insel Komodo
und konnte dort noch eine der legendären Echsenfütterungen
miterleben. Kurze Zeit später wurden sie eingestellt.
Da der Nationalpark schon damals sehr gut besucht
war, war es kein Problem mit einer bunt zusammengewürfelten
Truppe an Backpacker ein Fischerboot zu mieten und zur zweitgrößten
Insel Rinca (abb.5) überzusetzen.
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abb.5
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Dort erwartete uns eine sehr spartanisch eingerichtete
Rangerstation, die Mühe hatte acht Leute plus eine Kleinkind
zu beherbergen. Nahrungsmittel brachten wir von Festland mit,
da die Ranger selbst nur das Nötigste für den Eigenbedarf
besaßen. Bereits bei unserer Ankunft in der Bucht von Loh
Buaya wurden wir von einem ausgewachsenen Komodowaran empfangen,
der am Anlegesteg herumspazierte. Genauso wie man sich eine Begrüßung
in einem Nationalparkbesuch vorstellt...
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abb.6
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Ein paar Tage später wäre ich beinahe
in einem unachtsamen Moment, abgelenkt durch einen Wildbüffel (abb.6) (Kerbau
Air - Bubalus bubalis), der ein nicht sehr erfreuliches Auge
auf uns geworfen hatte, auf einen Waran hinaufgetreten. Glücklicherweise
hatte sich das Reptil mindestens genauso erschrocken wie ich
und ist noch rechtzeitig meinem Fußtritt entwischt. Dies
sollte aber nicht die einzige unliebsame Begegnung mit einem
Komodo Dragon (abb.7) gewesen sein.
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abb.7
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Ein paar Jahre später, 1996, verbrachte
ich einige Zeit auf der Insel Flores, wo ich den Spuren des Mbou
Riung (abb.8) folgte.
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abb.8
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Obwohl ich das Tier nicht tatsächlich antraf,
so konnte ich doch einige Informationen über diese im Norden
von Flores lebende Echse sammeln. Gemeinsam mit zwei weiteren
Langzeitreisenden wurde im Fischerdorf Labuhan Bajo ein Boot
gemietet und Projekt Rinca Nummer zwei nahm seinen Lauf. Kaum
in der Bucht der Insel angekommen, spaziert, unglaublich aber
wahr, der mir bereits bekannte Waran am Steg entlang. Gleichzeitig
konnte ich beobachten, wie ortsansässige Fischer, den Gefahren
des Warans bewusst, Sicherheit im Gebälk einer einfachen
Hütte suchten.
Da die Tiere zumeist einen sehr trägen
Eindruck hinterlassen, ist vielen Besuchern nicht klar, dass
sie potenzielle Menschenfresser vor sich haben. Wie gefährlich
die Komodowarane tatsächlich sein können erfuhren meine
beiden Reisebegleiter ein paar Tage später, als sich sie
sich zu weit in die Nähe eines Warans vorwagten. Selbst
vor vier Menschen hat eine Ora (Indon. für Komodowaran)
keine Angst. Wir konnten froh sein, dass es die Echse bei
einschüchternden Drohgebärden beließ und uns
der Schrecken nur in den Gliedern saß.
Wieder gingen einige Jahre übers Land und 2002
wurde Projekt Rinca Nummer drei in Angriff genommen. Diesmal,
von langer Hand geplant, suchten wir im Rahmen der Aufnahmen
für einem Zweiteiler über die Kleinen Sundainseln auch
den Ort Riung im Norden von Flores auf. Unser Ziel war die Bucht
Torong Padang, wo wir die noch nicht dokumentierte Echsenspezies
vermuteten. Als krönender Abschluss stand danach noch der
Komodo Nationalpark am Programm. Diesmal konnten wir bei der
Ankunft einen Jungwaran beobachten, der am Pier träge
herumstolzierte. Mein alter Freund lag wohl irgendwo faul im
Gebüsch. Uns standen nur noch neun Drehtage zur Verfügung
- nicht gerade viel Zeit um das Thema Nationalpark nach unseren
Vorstellungen festzuhalten. So wurde wieder einmal, wie eigentlich
schon während der ganzen Dreharbeiten, Tag und Nacht gearbeitet.
Schlussendlich wollten wir ja auch die nachtaktive Tierwelt mit
unseren Kameras einfangen.
Da der Komodo Nationalpark und hier im Speziellen
die Insel Rinca, nicht nur für seine Echsen bekannt ist,
war es uns auch ein Anliegen die nicht minder interessante
Fauna und Flora filmisch und fotografisch festzuhalten.
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abb.9
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Bei einer unserer nächtlichen Unternehmungen
entdeckten wir das Exemplar einer Geiselspinne (abb.9) (Amblypygia).
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abb.10
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Auch die wunderschöne Trimerisurus albolabris(abb.10) (Lanzenotter)
ist nächtens in den Bäumen auszumachen.
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abb.11
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Tag- und nachtaktiv ist die von der einheimischen
Bevölkerung gefürchtete Kettenviper (abb.11) (Daboia
russelli).
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abb.12
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Außerdem beherbergt der Park nicht nur
die großen Echsen, auch die kleineren Verwandten, wie der
Bogenfingergecko (abb.12) (Cyrtodactylus darmandvillei)
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abb.13
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und der etwas größere Tokeh (abb.13) (Gekko
gecko) sind oft anzutreffen. Sehr scheu, da sie nicht gefüttert
werden, sind die Langschwanzmakaken(abb.14) (Macaca
facicularis).
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abb.14
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Eine sehr häufig vorkommende Schlangenart
ist die Speikobra (abb.15)(Ular Sendok – Naja sputatrix).
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abb.15
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Keine ungewöhnliche Pflanzenarten
sind Stechapfelgewächse (abb.16)(Brugmansia candida)
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abb.16
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oder wie die Indonesier dazu sagen, „Terog
gila“ und gila (verrückt) wird man leicht davon. Ebenfalls
ist dort die „Opuntia engelmannii“ (abb.17),
eine Kaktusart, beheimatet.
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abb.17
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Nicht nur die wunderbare Flora und Fauna hat
mich fasziniert, noch eine Begebenheit ist mir bleibender Erinnerung:
Scheinbar hat jeder Parkranger eine Vorliebe für eine spezielle
Tierart. David unser ständiger Begleiter war ein Reptilienliebhaber.
So geschah es, dass wir auf einer unserer Touren an einem Wasserloch
vorbeikamen, aus dem gerade noch ersichtlich die Schnauze eines
Warans (abb.18)
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abb.18
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hervorlugte. Jedenfalls nicht zu übersehen
war sein verletztes Auge. Da David trotz seiner langjährigen
Erfahrung im Nationalpark noch nie einen Waran reglos im Wasser
liegen sah, war er der Meinung es handle sich um eine tote Echse.
Pauli, der das Geschehen von einer anderen Perspektive beobachtete,
war gegenteiliger Meinung. Um den Sachverhalt zu klären,
packten ich und David das Reptil beim Schwanz und zogen es mit
vereinten Kräften aus dem Wasser. Wie es sich folglich herausstellte,
handelte es sich um ein ausgewachsenes Exemplar von gut 2 Meter
Länge und...es lebte noch! Sofortiger Sicherheitsabstand
war angesagt. Verletzte Tiere sind bekanntlich sehr gefährlich.
Wir nahmen an, dass die Echse von einem Wildschwein angegriffen
und verletzt wurde, da Warane zu den wenigen Feinden der Wildschweine
gehören und wir in der Gegend etliche „Babi Liar Eurasia“ sichten
konnten.
Nach einigen Wochen war der dritte „Rincatripp“ beendet
aber bei weitem konnte nicht die Neugier auf das wunderbare Land
gestillt werden. Folglich geistert bereits Projekt Rinca Nummer
vier in meinem Kopf herum, um die Vielfalt dieser faszinierenden
Insel ein Stück mehr kennen zu lernen. An dieser Stelle
möchte ich mich nochmals bei der Parkverwaltung für
ihre Unterstützung bedanken und speziell bei den Rangern,
die uns zu jeder Tages- und Nachtzeit zur Seite standen.
Ich bedanke mich bei Margareta Keiblinger für
die Unterstützung bei der Erstellung des Manuskripts. Bei
Pauli Hien für die Hilfe bei den Fachbegriffen und für überhaupt
Alles.
Franz Peter Perc |